Steuer- und Sozialversicherung - Entlastung der Bürokratie

Unnötige Bürokratie bremst die wirtschaftliche Betätigung aller Firmen, belastet aber überproportional die rund 3,6 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland. Die Bundesregierung will diese Unternehmen spürbar von bürokratischen Belastungen befreien – und hat zu diesem Zweck das Zweite Bürokratieentlastungsgesetz (BEG II) verabschiedet. Dieses wurde am 30.06 2017 verkündet und ist – über eine entsprechende Regelung im Gesetz – rückwirkend zum 01.01.2017 in Kraft getreten.

Steuerrecht

Aufbewahrung von Lieferscheinen

Als empfangene oder abgesandte Handels- oder Geschäftsbriefe waren Lieferscheine bislang grundsätzlich aufbewahrungspflichtig. Die Aufbewahrungsfrist betrug sechs bzw. zehn Jahre. Dies galt selbst dann, wenn sich alle relevanten Angaben aus den Rechnungen ergaben.

Neu: Nicht als Buchungsbeleg erfasste Eingangslieferscheine müssen nach Erhalt der Rechnung nicht mehr aufbewahrt werden – vorausgesetzt, Lieferschein und Rechnung sind inhaltsgleich. Versendete Liefernachweise, die nicht Buchungsbelege werden, können nach Fakturierung der Rechnung ebenfalls vernichtet werden.

Wichtig: Für alle Lieferbelege, die in die Buchhaltung eingehen und als Buchung erfasst werden, ändert sich nichts; für sie gilt nach wie vor eine Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren.

Lohnsteueranmeldung

Bislang waren Lohnsteueranmeldungen quartalsweise abzugeben, wenn die abzuführende Lohnsteuer mehr als 1.080,00 Euro, aber nicht mehr als 4.000,00 Euro betrug.

  • Diese Obergrenze wurde rückwirkend zum 01.01.2017 auf 5.000,00 Euro angehoben.
  • Erst wenn dieser Wert überschritten wird, muss die Lohnsteueranmeldung monatlich abgegeben werden.

Aufzeichnungspflichten

Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) müssen in einem Anlageverzeichnis aufgeführt werden, sofern der Unternehmer die Sofortabschreibung wählt. Dies gilt jedoch nur, sofern der Kauf bzw. die Anschaffung des GWG eine bestimmte Grenze überschreitet (bisher 150,00 Euro) und die Angaben nicht aus der Buchführung ersichtlich sind. Mit dem BEG II wurde die untere Grenze für den Beginn der Aufzeichnungspflicht nun auf 250,00 Euro angehoben.

Wichtig: Der neue Wert gilt erstmals für Wirtschaftsgüter, die nach dem 31.12.2017 angeschafft, hergestellt oder in ein Betriebsvermögen eingelegt werden.

Erhöhung der Pauschalierungsgrenze

Bei Arbeitnehmern, die nur gelegentlich und kurzfristig beschäftigt werden (maximal 18 zusammenhängende Arbeitstage), kann der Arbeitgeber die Lohnsteuer pauschal mit 25 Prozent erheben.

  • Dies galt jedoch nur dann, wenn der Arbeitslohn während der Beschäftigungsdauer durchschnittlich 68,00 Euro pro Arbeitstag nicht übersteigt.
  • Neu: Dieser Grenzwert wurde nun leicht erhöht, und zwar auf 72,00 Euro.

Wertgrenze für Kleinbetragsrechnungen

Rechnungen müssen eine Vielzahl von Angaben enthalten (u. a. Name und Anschrift des leistenden Unternehmers und des Leistungsempfängers, Steuernummer, Rechnungsnummer und vieles mehr).

  • Ausgenommen hiervon sind Rechnungen über kleine Beträge (bislang 150,00 Euro); für sie gelten vereinfachte Regeln.
  • Neu: Auch dieser Grenzwert wurde im Rahmen des BEG II rückwirkend angehoben – auf jetzt 250,00 Euro.

Handwerksordnung

In der Vergangenheit fehlte es den Handwerkskammern an einer klaren Rechtsgrundlage, um mit ihren Mitgliedern auf elektronischem Wege zu kommunizieren. Über eine Änderung der Handwerksordnung (HwO) haben die Kammern nun die Möglichkeit, auch Daten über Webseiten und E-Mail-Adressen der Mitglieder in der Handwerksrolle abzuspeichern. Das soll den Grundstein für eine künftige Kommunikation auf elektronischem Weg legen.

Selbstständige Handwerksbetriebe sind dazu verpflichtet, sich bei der Handwerkskammer für die von ihnen ausgeübten meisterpflichtigen Gewerke in die Handwerksrolle eintragen zu lassen. Zur Prüfung dieser Eintragung müssen Nachweise über die in der HwO genannten Auskunftsgegenstände erbracht werden. Diese Nachweispflicht wurde auf sämtliche Dokumente ausgeweitet, die zur Prüfung der Eintragung in die Handwerksrolle und zur Aufrechterhaltung dieser Eintragung erforderlich sind.

Sozialversicherung

Erleichtertes Beitragsberechnungsverfahren

Statt einer aufwendigen Schätzung der monatlichen Beiträge kann seit Anfang 2017 in den Fällen, in denen der tatsächliche Wert für den laufenden Monat noch nicht bekannt ist, eine Beitragszahlung auf Grundlage des tatsächlichen Wertes des Vormonats erfolgen. Dieser Wert liegt zum Zeitpunkt der Beitragszahlung am drittletzten Bankarbeitstag eines Monats als Ergebnis der Entgeltabrechnung für den Vormonat immer vor.

Um Abweichungen zwischen der tatsächlichen Beitragsschuld für einen Monat und dem verwendeten Wert des Vormonats auszugleichen, ist die Differenz, die sich bei der Entgeltabrechnung für den Monat im Folgemonat ergibt, jeweils von der Beitragszahlung im Folgemonat abzuziehen oder zu addieren.

Zu diesem Zweck wurde § 23 Abs. 1 Satz 3 SGB IV wie folgt neu gefasst:

„Der Arbeitgeber kann abweichend von Satz 2 den Betrag in Höhe der Beiträge des Vormonats zahlen; für einen verbleibenden Restbetrag bleibt es bei der Fälligkeit zum drittletzten Bankarbeitstag des Folgemonats."

Diese Möglichkeit des „erleichterten Beitragsberechnungsverfahrens" stand bis Ende 2016 nur einem Teil der Arbeitgeber offen, kann seit Anfang 2017 jedoch von allen Unternehmen genutzt werden.

Keine Änderung bei Einmalzahlungen

Einmalzahlungen sind unverändert im jeweiligen Monat zu berücksichtigen, in dem sie gezahlt werden. Beiträge, die allein auf Einmalzahlungen entfallen, sind entsprechend im Folgemonat von der Beitragsschuld des Vormonats abzuziehen.

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