Minijobs - Aktuelle Details im Blick behalten

Für Minijobber gelten relativ geringe Abgaben. Das macht diese Jobs für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen attraktiv. Doch damit auf Dauer alles richtig läuft, muss man sich an bestimmte Spielregeln halten – und diese werden immer mal wieder ein wenig angepasst.

Der Grundsatz ist klar: Ein Minijob liegt vor, wenn jemand regelmäßig im Monat nicht mehr als 450 Euro verdient. Der Minijobber ist rentenversichert, ansonsten jedoch versicherungsfrei.

Arbeitsrecht

Minijobber sind normale Arbeitnehmer und daher in fast allen Bereichen vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern gleichgestellt. Sie genießen also genauso den Kündigungsschutz, haben Anspruch auf Entgeltfortzahlung sowie (ggf. anteiligen) Erholungsurlaub.

Und konkret?

Praxisbeispiel

Ein Minijobber arbeitet an einem Tag pro Woche. Eine besondere Urlaubsregelung gibt es nicht. Es gilt der gesetzliche Mindesturlaub von 20 Tagen bei einer 5-Tage-Woche. Der Minijobber hat somit Anspruch auf 4 Tage Urlaub pro Jahr (= 1/5 von 20 Tagen).

Abgaben

Junge Frau an der Kasse eines Lebensmittelladens

Bei 450-Euro-Minijobs unterscheidet sich die Höhe der Abgaben danach, ob jemand im Privathaushalt (Stichwort: Haushaltshilfe) oder als gewerblicher Arbeitnehmer tätig wird. Die Beiträge gehen immer an die Minijob-Zentrale.

Bei einem Minijob übernimmt der Arbeitnehmer nur seinen Anteil an den Rentenversicherungsbeiträgen. Der Arbeitgeber trägt jeweils Pauschalbeiträge zur Kranken- und Rentenversicherung, eine Pauschsteuer und Umlagen (U1, U2 sowie für den Fall der Insolvenz). Übrigens: Die Umlage U2 wurde für diesen Bereich zum 1. Juni 2019 von 0,24 % auf 0,19 % gesenkt.

Tipp: Auf der Webseite der Minijob-Zentrale finden Sie alle Details zu den Abgaben und zum Beitragsverfahren bei Minijobs.

Mehrere Minijobs

Heikel kann es werden, wenn jemand bei verschiedenen Arbeitgebern nebeneinander mehrere – für sich gesehen – geringfügig entlohnte Beschäftigungen ausgeübt. Zur Beurteilung der Frage, ob 450 Euro überschritten werden und dadurch Versicherungspflicht in allen Zweigen der Sozialversicherung eintritt, sind die Arbeitsentgelte aller geringfügig entlohnten Beschäftigungen zusammenzurechnen.

Und konkret?

Praxisbeispiel

Ein Arbeitnehmer arbeitet seit dem 1. Januar bei Arbeitgeber A und verdient monatlich 250 Euro. Einen Monat später nimmt er bei Arbeitgeber B einen weiteren Minijob auf und erhält dort monatlich 150 Euro. Ab 1. Juli nimmt er noch einen Job bei Arbeitgeber C an. Dort verdient er 100 Euro monatlich. A und B zählen zunächst als Minijobs. Da alle Jobs zusammengerechnet werden, wird ab Juli die Minijobgrenze von 450 Euro überschritten. Die Folge: Ab Juli sind alle drei Beschäftigungen versicherungspflichtig.

Versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung

Anders sieht es bei einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung aus. Daneben ist nämlich immer nur ein Minijob möglich. Das gilt beispielsweise auch, wenn sich jemand in betrieblicher Berufsausbildung befindet. Nicht dazu gehören etwa die Elternzeit oder ein freiwilliger Wehrdienst.

Tipp: Der Minijobber muss bei Einstellung eine Erklärung über eventuell weitere ausgeübte Beschäftigungen abgeben. Nehmen Sie diese Erklärung unbedingt zu den Entgeltunterlagen!

Teilmonate

Die 450-Euro-Grenze gilt auch, wenn jemand keinen vollen Monat arbeitet – es wird dann kein anteiliger Monatswert gebildet. Arbeitet jemand also regelmäßig etwa nur eine Woche pro Monat und verdient dabei nicht mehr als 450 Euro, so kann die Beschäftigung als Minijob versicherungsfrei sein.

Und konkret?

Praxisbeispiel

Ein Minijobber arbeitet vom 3.6. bis 14.6. und bekommt hierfür 440 Euro. Es handelt sich um eine geringfügig entlohnte Beschäftigung, da die Entgeltgrenze von 450 Euro im Juni nicht überschritten wird.

Arbeit auf Abruf

Bei der Arbeit auf Abruf muss der Arbeitnehmer seine Arbeit entsprechend dem Arbeitsanfall erbringen. In der Regel vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer in solchen Fällen eine bestimmte Dauer der Arbeitszeit. Machen sie das nicht, gilt laut Gesetz seit Januar 2019 eine wöchentliche Arbeitszeit von 20 Stunden als vereinbart (bis Ende 2018 waren es 10 Stunden). Und damit bleibt dann kein Raum mehr für einen Minijob, da sich die fiktive Arbeitszeit voll auf die Sozialversicherung auswirkt. Es spielt hierbei auch keine Rolle, ob die Arbeitszeit tatsächlich abgerufen oder vergütet wird. So kommen bei fiktiven 20 Wochenstunden und einer Vergütung in Höhe des allgemeinen Mindestlohns (9,19 Euro pro Stunde) bereits rund 800 Euro pro Monat zusammen.

Erwerbstätige in Deutschland nach Beschäftigungsart (2016)

BKK VBU Grafik Minijobs
Basis: Erwerbstätige im Alter von 15 bis 64 Jahren, nicht in Bildung, Ausbildung oder Freiwilligendienst // Quelle: Statistisches Bundesamt

Mindestlohn im Auge behalten

Arbeitgeber, die Minijobber mit festen Stundenvereinbarungen zum Mindestlohn beschäftigen, sollten bei Anhebung des jeweiligen (allgemeinen oder tariflichen) Mindestlohns prüfen, ob die Geringfügigkeitsgrenze auch weiterhin eingehalten wird. Denn liegt jemand vor der Anhebung nur knapp unter der 450-Euro-Grenze, können bereits wenige Cent pro Stunde mehr den Ausschlag geben.

Tipp: Betroffene Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollten sich rechtzeitig auf eine Anpassung der Arbeitszeit verständigen, wenn sie den Eintritt von Versicherungspflicht vermeiden wollen.

Stunden aufzeichnen

BKK VBU Formulare Anträge: Schreibende Hand mit Kugelschreiber auf Papier

Bei Minijobs ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass Arbeitgeber Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit aufzeichnen. Damit gilt hier bereits heute, was künftig aller Voraussicht nach für "normale" Beschäftigungsverhältnisse seit dem kürzlich ergangenen EuGH-Urteil zur Aufzeichnung von Arbeitszeiten (EuGH – AZ: C-55/18) ebenfalls nötig sein wird.

Zuschläge bei Mehrarbeit

Das Bundesarbeitsgericht hat es im Jahr 2018 so entschieden: Arbeitnehmern können Mehrarbeitszuschläge auch dann zustehen, wenn sie in Teilzeit beschäftigt sind (BAG – AZ: 10 AZR 231/18). Für Minijobber kann dies zu einer Lohnerhöhung führen, wenn sie Mehrarbeit leisten und ihnen dabei entsprechende Zuschläge zustehen.

Kommt es nur gelegentlich und nicht vorhersehbar zur Mehrarbeit – also bis zu drei Mal in einem Zwölf-Monats-Zeitraum –, bleibt die Tätigkeit ein Minijob – auch wenn der Jahresverdienst dadurch insgesamt über 5.400 Euro (= 12 x 450 Euro) liegt.

Ist die Mehrarbeit hingegen ein Dauerthema und bislang (ohne die Zuschläge) in den 450 Euro "eingepreist", können die nun zusätzlich zustehenden Zuschläge dazu führen, dass die Entgeltgrenze überschritten wird. In der Folge ist es dann kein Minijob mehr.

Tipp: Ggf. besteht die Möglichkeit, Mehrarbeit durch bezahlte Freizeit abzugelten, um so die Zuschläge zu vermeiden.

Kurzfristigkeit

Eine andere Form des Minijobs ist die kurzfristige Beschäftigung. Ist der Job nämlich von Anfang an auf bis zu drei Monate bzw. 70 Arbeitstage begrenzt, kann er versicherungsfrei sein. Bei kurzfristigen Minijobs gehen nur die Umlagen (U1, U2, Insolvenzgeld) und ggf. individuelle Steuern an die Minijob-Zentrale.

Die Höhe des Verdienstes spielt hier grundsätzlich keine Rolle. Liegt das Entgelt allerdings über 450 Euro im Monat, so kann die Beschäftigung nur dann versicherungsfrei sein, wenn sie nicht berufsmäßig ausgeübt wird. Dieser Betrag greift auch dann, wenn die Aushilfe weniger als einen Monat arbeitet.

Berufsmäßig beschäftigt ist beispielsweise jemand, der bei der Agentur für Arbeit für eine mehr als eine kurzfristige Beschäftigung arbeitsuchend gemeldet ist und nebenher kurzfristig arbeitet.

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