Ehrenamt - Engagement wird gefördert

Ganz gleich, ob im Sportverein oder bei der Altenbetreuung – Ehrenämter und bürgerschaftliches Engagement sind wichtige Stützpfeiler unserer Gesellschaft. Der Staat fördert diese Tätigkeiten über Steuerfreibeträge sowie einem Unfallversicherungsschutz. Und, je nach Tätigkeitsfeld, haben Mitarbeiter, die sich nebenher ehrenamtlich engagieren, auch Freistellungsansprüche gegen ihren Arbeitgeber.

Eine konkrete Definition für das Ehrenamt gibt es nicht. Im Wesentlichen muss es sich dabei um ein freiwilliges und gemeinwohlorientiertes Amt handeln. Ehrenamtler bekommen allenfalls eine Aufwandsentschädigung – sie sind vom gesetzlichen Mindestlohn ausgenommen.

Freistellungsansprüche

Die private ehrenamtliche Tätigkeit beschränkt sich grundsätzlich auf die Freizeit. Denn es gibt keinen generellen Anspruch eines Arbeitnehmers auf bezahlte oder unbezahlte Freistellung von der Arbeit für ein solches Ehrenamt.

Beispiel

Ein Mitarbeiter ist im Kleingartenverein ehrenamtlich als Streitschlichter tätig. In diesem Zusammenhang möchte er eine Fortbildungsveranstaltung zur gewaltfreien Kommunikation besuchen. Er hat keinen Freistellungsanspruch aufgrund des Ehrenamts.

Anders sieht es bei Ehrenämtern in öffentlichem Interesse aus. Hierzu gehören zum Beispiel die freiwillige Feuerwehr, das THW, Rettungsdienste, Schöffen oder Gemeinderatsmitglieder. Besondere landesspezifische Gesetze schützen diese Tätigkeiten. Dort ist zumeist genau geregelt, wie viele Tage zustehen, ob das Entgelt für diese Zeit fortgezahlt werden muss und wie viel der Arbeitgeber erstattet bekommt.

Beispiele

Ein Arbeitnehmer soll als Schöffe bei Gericht erscheinen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, ihn für diese Zeit von der Arbeit freizustellen. Für den eventuellen Verdienstausfall steht per Gesetz eine Entschädigung zu.

Ein Mitglied der freiwilligen Feuerwehr wird während der Arbeitszeit zum Einsatz gerufen. Hierfür muss ihn der Arbeitgeber freistellen. Weitere Details dazu finden sich in den landesspezifischen Brandschutzgesetzen.

Tipp

  • Ehrenamtlich Tätige sollten sich vorab, zum Beispiel über die jeweiligen Organisationen, nach den vorgesehenen Freistellungsmöglichkeiten erkundigen und die Details mit dem Arbeitgeber abklären.

  • Ist eine Freistellung über das Ehrenamt nicht möglich, können manche Fortbildungen alternativ auch als Bildungsurlaub anerkannt sein.

Welche Art von Verdienst gibt es?

Übungsleiterpauschale

Erhält jemand für sein Engagement Geld, so muss er dies nicht vollumfänglich versteuern: Bis zu 2.400 Euro im Jahr können Übungsleiter verdienen, ohne dass dafür Steuern oder Sozialabgaben fällig werden. Dieser Betrag gilt z. B. auch für Einnahmen aus Tätigkeiten als Erzieher, Betreuer, Dirigent oder Chorleiter sowie für die Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen.

Wichtig ist, dass die Tätigkeit einem pädagogischen Zweck dient und gemeinnützig ist. Außerdem muss sie nebenberuflich sein, darf daher also nicht mehr als ein Drittel der Vollzeittätigkeit ausmachen. Ein eigentlicher Hauptberuf ist hingegen nicht nötig, denn auch Rentner, Studenten oder Arbeitslose können diese Pauschale beanspruchen.

Beispiel

Ein Student gibt regelmäßig Kurse an der örtlichen Volkshochschule und bekommt dafür 400 Euro pro Monat (= 4.800 Euro pro Jahr). Von diesen 4.800 Euro fallen 2.400 Euro unter die Übungsleiterpauschale und bleiben steuerfrei.

Ehrenamtspauschale

Bei anderen Aufgaben dürfen ehrenamtlich tätige Menschen pro Jahr 720 Euro (60 Euro monatlich) steuer- und sozialabgabenfrei verdienen. Auch diese Einnahmen müssen aus einer nebenberuflichen Tätigkeit stammen. Begünstigt werden etwa Vergütungen als Vereinsvorstand, Schatzmeister, Platzwart oder auch Schiedsrichter im Amateurbereich.

Beispiel

Ein Mitglied im Fußballverein übt die Aufgabe des Schatzmeisters aus. Dafür bekommt er 70 Euro pro Monat (= 840 Euro pro Jahr). Von diesen 840 Euro fallen 720 Euro unter die Ehrenamtspauschale und bleiben steuerfrei.

Aufwandsspende

Werden dem Ehrenamtler verauslagte Kosten (Benzin, Telefon, Porto etc.) erstattet, kommt das Modell der Aufwandsspende ins Spiel: Es ist nämlich möglich, auf die Erstattung zu verzichten und sich stattdessen den Aufwand als Spende quittieren zu lassen. Diese Aufwandsspende kann dann als Sonderausgabe in der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Unfallversicherung

Viele Gruppen der ehrenamtlich Tätigen sind automatisch durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt. Dies gilt beispielsweise im Rettungswesen, in der Wohlfahrtspflege oder für unentgeltlich tätige Übungsleiter in Sportvereinen. Hinzu kommt die Möglichkeit zur freiwilligen Versicherung, etwa bei leitenden Funktionen in einem Verein. Aber auch diejenigen, die nicht gesetzlich unfallversichert sind, werden geschützt. Für sie gibt es meist Sammelverträge mit privaten Unfallversicherern.

Tipp

Alle Details rund um die Unfallversicherung im Ehrenamt finden sich in der Broschüre, die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales herausgegeben hat: "Zu Ihrer Sicherheit".

Ab wann ist eine ehrenamtliche Tätigkeit ein Minijob?

Sofern nicht steuerfrei, müssen auf die Einnahmen aus dem Ehrenamt Sozialabgaben geleistet werden. Bleiben nach Abzug der Freibeträge nicht mehr als 450 Euro, greifen die Minijobregeln.

Beispiel

Ein Kassenwart bekommt für sein Ehrenamt monatlich 120 Euro. Als Übungsleiter erhält er im gleichen Verein monatlich 400 Euro.

Sein Verdienst beträgt (520 Euro x 12 =) 6.240 Euro

./. Ehrenamtspauschale 720 Euro

./. Übungsleiterpauschale 2.400 Euro

Sozialversicherungspflichtiges Entgelt 3.120 Euro

Es handelt sich um einen Minijob, weil – nach Abzug der Pauschalen – monatlich nur (3.120 Euro : 12), also 260 Euro verbleiben.

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